Neubeginn an der Neiße: Guben lädt zum Bleiben

Rückblick auf die zweite Runde des Probewohnens

Kathrin Schneider (Ministerin und Chefin der Staatskanzlei Brandenburg) mit Fred Mahro (Bürgermeister Guben) im Restaurant & Café Wilhelm

Ein Maschinenbauingenieur mit indischen Wurzeln, der nach seinem Studium in München raus aus der Großstadt will. Ein Student aus Berlin, der für seine Abschlussarbeit über „Revitalisierungsmaßnahmen in schrumpfenden Regionen Ostdeutschlands“ über Guben schreibt. Eine Erzieherin mit polnischen Wurzeln, die zurzeit in der Eifel lebt und wieder näher an ihre polnische Heimat ziehen möchte. Eine Sozialwissenschaftlerin aus Franken, für die Guben als Europastadt an der Neiße der ideale Ort ist, um Menschen über Grenzen, Generationen und Kulturen hinweg miteinander zu verbinden.

Das sind vier von gut zwei Dutzend Menschen, die von August bis Oktober das Gubener Stadtbild bereichert haben. Die Rückkehr- und Zuzugsinitiative „Guben tut gut.“ hatte erneut zum Probewohnen aufgerufen. Die Aktion hatte bereits im vergangenen Jahr deutschlandweit für Aufmerksamkeit gesorgt: Lokale und überregionale Zeitungen sowie Radio- und TV-Sender berichteten darüber. Doch nicht nur die bundesweite Medienresonanz war ein Gewinn für die Stadt – auch das eigentliche Ziel wurde erreicht: Mehrere Menschen verlegten im Nachgang ihren Lebensmittelpunkt nach Guben. Zu ihnen gehört Anika Franze. Sie zog von Berlin an die Neiße und koordinierte gemeinsam mit der Willkommensagentur „Guben tut gut.“ in diesem Jahr die zweite Auflage des Probewohnens.

Die GSW Service stellte für den Aktionszeitraum vier möblierte Gästewohnungen für die insgesamt 26 Probewohnenden zur Verfügung. Um das Ankommen zu erleichtern, waren alle Gäste auf Zeit eingeladen, am wöchentlichen Stammtisch im Restaurant Wilhelm teilzunehmen und so Kontakte zu knüpfen. Das hat – wie schon im Vorjahr – wunderbar funktioniert, und so lobten viele der Probewohnenden die Herzlichkeit und Offenheit, mit der sie hier aufgenommen wurden. Einige suchen nun nach einer Wohnung und einem Job, um dauerhaft nach Guben ziehen zu können. Andere bleiben in ihrer bisherigen Heimat. Gleichwohl bleibt auch von ihnen etwas in der Stadt.

Denn in diesem Jahr ging die Aktion Probewohnen mit dem Wunsch an die Bewerberinnen und Bewerber einher, während ihrer Zeit in Guben einen kreativen Beitrag für die Stadt zu leisten. Die Beiträge, die dabei entstanden, sind so vielfältig wie die Menschen: Fotos und Zeichnungen, ein Friedenslabyrinth, ein Gedicht über Guben auf Hindi, eine wissenschaftliche Abhandlung. All diese Arbeiten sind ab dem 5. Dezember im Stadt- und Industriemuseum zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke der Künstlerin Ute Wiesenhütter.

Eben weil die Probewohnen-Aktion so innovativ ist und weit über das reine Wohnen hinausgeht, wurde sie im Oktober von Ministerin Kathrin Schneider als erstes Projekt im neuen Format „Zusammen für Brandenburg“ ausgezeichnet. Damit würdigt die Staatskanzlei Projekte, die nachahmenswert sind und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.