Auftakt für die Sommertour von GdW und BBU am 14. Juli war in Guben, wo es mit einer gemeinsamen Präsentation von GuWo und GWG in der Wilhelm-Begegnungsstätte losging.
Leerstand und Abriss in Guben, Wohnungsnot und Nachverdichtung in Berlin: Das ist der Spagat, vor dem die Wohnungswirtschaft in Berlin-Brandenburg seit Jahren steht. Die Herausforderungen sind in ländlichen Regionen wie der Lausitz ganz andere als in der Hauptstadt und im Berliner Speckgürtel.
„Wir brauchen weiterhin Förderprogramme, mit denen der Stadtumbau und damit auch die Kosten für den Häuserabriss finanziert werden können. Das ist den Entscheidungsträgern in Berlin vielleicht nicht immer ganz klar“, sagt GuWo-Geschäftsführer Martin Reiher. Daher freute er sich sehr, dass die Sommertour von Axel Gedaschko in diesem Jahr auch nach Guben führte.
Gedaschko ist Präsident des GdW, des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Als größter Branchendachverband vertritt er die Interessen von etwa 3.000 Wohnungsunternehmen – darunter die GuWo. Mitte Juli besuchte er neben Guben auch Eisenhüttenstadt und Berlin.
Die GuWo nutzte den Termin, um auf die aktuellen Herausforderungen in Guben aufmerksam zu machen: „Wir haben sehr unterschiedliche Wohnungsmärkte in Brandenburg. Während Städte wie Potsdam mit Wohnungsnot zu kämpfen haben, stehen bei uns Themen wie Bevölkerungsrückgang und Leerstand auf der Agenda. Gleichzeitig sanieren wir unseren Bestand und möchten auch gern über Neubau reden.“
Um all das finanzieren zu können, müssen die beiden wichtigsten Förderprogramme für die Wohnungswirtschaft fortgesetzt und die Mittel erhöht werden, so Reiher: „Sowohl die Städtebauförderung des Bundes als auch die Wohnraumförderung des Landes muss angesichts steigender Baukosten besser ausgestattet werden.“
Auch Maren Kern, Vorständin des Brandenburgischen Landesverbands BBU, forderte in Guben verlässliche Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen.
„Guben zeigt, wie anspruchsvoll Stadtentwicklung unter den Bedingungen von Bevölkerungsrückgang, zunehmendem Leerstand und steigenden Kosten ist. Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft übernimmt hier mit großem Engagement Verantwortung für lebenswerte Quartiere und ein gutes Zuhause der Menschen.“
Axel Gedaschko, GdW-Präsident
„Während es in vielen ostdeutschen Städte verlässliche Unterstützung für Umbau, Rückbau und die Stabilisierung ganzer Quartiere braucht, stehen Berlin und sein Umland vor der Aufgabe, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen – Die Förderinstrumente müssen diesen unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung tragen.“
Maren Kern, BBU-Vorständin
„Wenn wir auch in Zukunft in den Wohnungsbestand investieren und sogar über Neubau reden wollen, dann brauchen wir weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik. Nur mit den entsprechenden Fördermitteln von Bund und Land können wir den Stadtumbau in Guben weiter aktiv mitgestalten.“
Dr. Martin Reiher, GuWo-Geschäftsführer
Dass der Abriss leerstehender Häuser nicht nur aus städtebaulicher Sicht sinnvoll ist, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellt, machte Martin Reiher ebenfalls deutlich. Hätte man beispielsweise im WK IV in den vergangenen Jahren nicht abgerissen, läge die Leerstandsquote heute bei 75 Prozent, was Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro jährlich entspräche.
Würde man diese Kosten auf die verbleibenden Mieter umlegen, müsste die Kaltmiete um jeweils 145 Euro monatlich je Wohnung angehoben werden: „Das können wir weder uns noch unseren Mietern zumuten“, so Reiher.
Von 2002 bis 2025 hat die GuWo insgesamt 2.319 Wohnungen abreißen lassen. Bis Ende der 2020er-Jahre sollen weitere 619 folgen.
Es gibt auch eine gute Nachricht: Laut Stadtumbaustrategie WK II/WK IV der Stadt Guben wird die GuWo bis 2030 den dort geplanten Wohnungsrückbau erfüllt haben. Angesichts der sinkenden Einwohnerzahlen wird man die Entwicklung des Wohnungsbestandes allerdings weiterhin im Auge behalten.
Bis spätestens 2030 erfolgen die letzten Abrisse gemäß der aktuellen Stadtumbaustrategie. Die betreffenden Mieter in der Platanenstraße 1–5 sowie 2–16 sind bereits informiert, so der GuWo-Geschäftsführer. Damit können auch die Leerstandskosten deutlich gesenkt werden.
Die frei werdenden Abrissflächen sollen teils als Grünflächen das Stadtklima verbessern und teils als Eigenheimflächen wieder dem Wohnen dienen.
Dem Stadtumbau widmet sich die GuWo auch weiterhin – allerdings durch Investitionen in den Bestand und möglicherweise durch Neubau. „Wir merken aufgrund der Nachfragen, die uns immer wieder erreichen, dass Bedarf an neuen Wohnformen besteht, den wir mit den vorhandenen Strukturen nicht decken können. Das sind auf der einen Seite altersgerechte, barrierefreie Wohnungen und auf der anderen Seite große Familienwohnungen für Paare mit zwei oder mehr Kindern“, so Reiher.
Die Nachfragen kommen von Gubenern, die ihre Wohnsituation verbessern wollen, aber auch von Menschen, die neu nach Guben ziehen. Aktuell läuft die Aktion „Probewohnen“, mit der seit drei Jahren recht erfolgreich für Guben als neue Heimat geworben wird.
Auch darüber wurde bei der Sommertour in Guben gesprochen: „Bei allen Negativmeldungen sollten wir viel öfter hervorheben, was alles in Guben erreicht wurde. Mit Aktionen wie dem Probewohnen haben wir eine immense Aufmerksamkeit für die Stadt erreicht, um die mich Kollegen in anderen Städten immer wieder beneiden. Dazu kommen Investitionen großer Unternehmen. Ich denke, darauf können und sollten wir durchaus stolz sein“, so Martin Reiher.