Stadtumbau als langfristige Herausforderung

Wie sich Guben auf den demografischen Wandel einstellt

Der Stadtumbau wird Guben noch lange prägen, sagt Stadtplaner Roland Fröhlich, der die Stadtentwicklung bereits seit zehn Jahren begleitet: „Der Rückbau war in dieser Zeit ein großes Thema, und er wird es wohl auch für die nächsten 15 Jahre bleiben. Das ist der demografischen Entwicklung geschuldet.“

Derzeit leben in Guben knapp 16.000 Menschen. Bis 2040 wird die Zahl – je nach Prognosemodell – auf 13.500 bis 12.000 zurückgehen. Vermieter wie die GuWo werden also weiterhin leerstehende Wohnblöcke vom Markt nehmen müssen: „Das ist schon aus wirtschaftlichen Gründen dringend geboten. Idealerweise gelingt der Rückbau im Einklang mit den Zielen der Stadtentwicklung, die eine weitere Stärkung der Innenstadt vorsehen“, so Fröhlich.

Zugleich betont er, dass es auch Neubau braucht, um für mehr Zuzug zu sorgen: „Die Stadt sollte Angebote schaffen für Menschen, die eben keine Standard-Plattenbauwohnung möchten.“ Und er sieht für Guben einen großen Vorteil – trotz Bevölkerungsprognose: „Zusammen mit Gubin ist die Europastadt eben keine Kleinstadt, sondern eine Mittelstadt – mit aktuell gut 32.000 Einwohnern.“

Warum trotz Leerstand und Rückbau die Mieten steigen, erläutert Maren Kern, Vorständin des Wohnungsverbands Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, im nachfolgenden Interview:

„Die Mieten unserer Mitgliedsunternehmen steigen mit Augenmaß“

Frau Kern, Sie haben kürzlich gesagt, dass niedrige Mieten in Brandenburg zunehmend zum Problem werden. Warum ist das so?
Weil niedrige Mieten zwar für Mieterinnen und Mieter auf den ersten Blick gut sind, für Investitionen aber schwierig. Wer dauerhaft bezahlbar vermieten will, braucht ausreichende und stabile Einnahmen. Viele Unternehmen – gerade im weiteren Metropolenraum – liegen mit ihren Mieten aber an der Grenze des betriebswirtschaftlich Tragbaren. Damit lassen sich Instandhaltung, Klimaschutz und Stadtumbau kaum noch finanzieren

Das klingt nach einem Dilemma – bezahlbar ja, aber nicht zu günstig?
Bezahlbar heißt nicht billig. Unsere Unternehmen wirtschaften solide und sozial – im Fokus steht die Zukunftsfähigkeit ihrer Bestände. Wenn die Mieten aber über Jahre stagnieren, während Baukosten und Zinsen explodieren, geht das zulasten der wirtschaftlichen Substanz

Auch die Gubener Wohnungsgesellschaft muss 2026 die Mieten anpassen. Wie erklären Sie das Mieterinnen und Mietern?
Indem man ehrlich bleibt: Moderate Anpassungen sichern langfristig genau das, was sich alle wünschen – bezahlbares Wohnen. Ohne Mietanpassungen und die durch sie ermöglichten Investitionen geraten Häuser und Quartiere in Schieflage. Die Mieten unserer Mitgliedsunternehmen steigen unterhalb der allgemeinen Preisentwicklung – immer mit Augenmaß

Gleichzeitig bremsen hohe Baukosten, Zinsen und Vorschriften die Investitionen. Wie stark ist der Druck inzwischen?
Enorm. Seit 2021 sind die Baupreise um fast 40 Prozent gestiegen, die Zinsen sogar um fast 270 Prozent – die Mieten hingegen nur um 6,9 Prozent. Viele Projekte sind dadurch schlicht nicht mehr machbar. Zusätzlich stoßen unsere Unternehmen auf ein Dickicht aus Regeln, Auflagen und Bürokratie. Bezahlbares Wohnen ist mit teurem und überreguliertem Bauen aber nicht zu schaffen.

Im weiteren Metropolenraum kommt noch hoher Leerstand hinzu – gerade in Städten wie Guben. Wie reagieren die Unternehmen darauf?
Leerstand bleibt eine Daueraufgabe. Er kostet Geld und schwächt die Bilanz. Deshalb engagieren sich unsere Mitgliedsunternehmen weiterhin beim Stadtumbau – Abriss dort, wo keine Nachfrage mehr besteht, und Modernisierung, wo es sinnvoll ist. So halten sie die Städte lebenswert und stabilisieren die Nachbarschaften.

Was sollte die Politik jetzt tun?
Deregulieren, entbürokratisieren, flexibilisieren und unterstützen. Wir brauchen realistische Standards, schnellere Verfahren und eine verlässliche Förderung. Brandenburg ist mit der Anhebung der Wohnraumförderung auf 250 Millionen Euro und mit der aktuell laufenden Novellierung der Bauordnung schon sehr gute Schritte gegangen – das muss weitergehen. Nur wenn Investieren wieder möglich ist, bleibt Wohnen bezahlbar.